Walk & Talk: Manchmal beginnt Therapie damit, einfach loszugehen
Blog |16.03.2026 | Thomas Ammich
Therapie muss nicht im Sitzen stattfinden. Walk & Talk ist Gesprächstherapie in Bewegung, durch die stillen Wege Kevelaers, auf Augenhöhe, weil Menschen im Gehen leichter zu Worten finden.
Manche Wege führen nicht nur durch die Natur, sondern auch zu neuen Perspektiven.
Warum ich mit Klienten durch Kevelaer gehe
Meine Praxis liegt in Kevelaer. Und Kevelaer ist ein besonderer Ort. Kevelaer ist eine Stadt, die von einem bestimmten Impuls lebt: dem Wunsch, innezuhalten.
Seit Jahrhunderten kommen Menschen hierher, weil sie etwas abgeben wollen. Etwas, das zu schwer geworden ist, um es alleine zu tragen. Manche suchen Trost, andere Orientierung, wieder andere einfach einen Moment Ruhe.
Ich gehe hier selbst viel zu Fuß. Durch ruhige Wege, vorbei am Solegarten St. Jakob, durch die stilleren Straßen der Stadt und durch den ruhigen Südpark. Beim Gehen sortieren sich Gedanken oft anders als im Sitzen. Gespräche entstehen leichter, Pausen fühlen sich natürlicher an.
Irgendwann habe ich mich gefragt, warum ich diese Erfahrung nicht auch in meine therapeutische Arbeit einfließen lassen sollte. Das Format selbst ist nicht neu. In der Psychotherapie wird es unter dem Begriff Walk & Talk beschrieben. Gespräche, die nicht im Therapieraum stattfinden, sondern beim Gehen.
Für meine Praxis in Kevelaer hat sich daraus eine eigene Form entwickelt. Walk & Talk ist heute ein fester Bestandteil meiner Arbeit geworden.
Was Walk & Talk ist und was es nicht ist
Walk & Talk ist keine Wandertherapie. Es ist keine Sporteinheit mit Gesprächsanteil. Es ist Gesprächstherapie. Mit einem kleinen Unterschied: Wir sitzen nicht.
Wir gehen nebeneinander. Das klingt nach einer Kleinigkeit. In Wirklichkeit verändert es viel. Wer jemandem gegenübersitzt und über etwas Schwieriges sprechen soll, spürt dieses Gegenüber. Den Blick. Die Erwartung.
Das kann hilfreich sein. Manchmal ist es aber auch genau das, was Worte blockiert. Beim Gehen entsteht etwas anderes. Der Blick richtet sich nach vorne. Pausen im Gespräch wirken natürlicher. Man schaut auf den Weg, auf Bäume, auf den Himmel und oft sortieren sich dabei auch die eigenen Gedanken.
Viele Menschen berichten, dass sie beim Gehen Dinge aussprechen konnten, die ihnen im Sitzen nicht über die Lippen gekommen wären.
Was Bewegung mit dem Nervensystem macht
Es gibt auch eine körperliche Seite dieses Formats. Bewegung, selbst in moderatem Tempo, beeinflusst das Nervensystem. Botenstoffe werden ausgeschüttet, die Konzentration, Stimmung und emotionale Regulation unterstützen. Der Körper kommt in einen Zustand, in dem Gespräche oft leichter fließen.
Der gleichmäßige Rhythmus der Schritte spielt dabei eine Rolle. Schritt für Schritt entsteht eine Art innerer Takt. Hinzu kommt der Ort selbst. Kevelaer ist kein Ballungsraum. Der Solegarten St. Jakob, einer unserer möglichen Wege, bringt zusätzlich Stille, Salzluft und eine bewusst entschleunigte Atmosphäre mit sich. Der Südpark bietet Grün, Weite und Raum.
Wie ein Walk & Talk Termin aussieht
Wir treffen uns in der Praxis. Eine kurze Begrüßung, ein paar klärende Worte und dann gehen wir los. Unser Walk & Talk dauert etwa 90 Minuten. Unsere Wege führen durch das ruhige Kevelaer.
Je nach Thema und Energie vielleicht zum Solegarten St. Jakob, durch den Südpark oder einfach durch die stilleren Straßen der Stadt.
Und manchmal passiert genau das, was beim Gehen so häufig geschieht: Ein Gedanke, der vorher festgefahren war, beginnt sich langsam zu bewegen.
Walk & Talk in Kevelaer
Manchmal werde ich gefragt, ob der Wallfahrtsort eine Rolle spielt. Meine ehrliche Antwort: Ja. Nicht im religiösen Sinne, aber in der Atmosphäre.
Menschen kommen hierher, weil sie etwas suchen. Eine Pause. Eine Antwort. Ein wenig Stille in einem lauten Leben. Diese Haltung des bewussten Innehaltens liegt erstaunlich nah an dem, was auch gute Gespräche manchmal ermöglichen.
Manchmal braucht es keinen großen Aufbruch.
Manchmal reicht es, einfach loszugehen.


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