Thomas Ammich
Heilpraktiker für Psychotherapie am Niederrhein
 

Zwischen den Jahren: warum diese Zeit innerlich oft unruhiger ist als gedacht

Blog |29.12.2025 | Thomas Ammich


Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr fühlen sich für viele Menschen ungewohnt an. Der Alltag ist unterbrochen, Termine fallen weg, äußere Strukturen lösen sich vorübergehend auf. Gleichzeitig hat das neue Jahr noch nicht begonnen. Was entsteht, ist eine Zwischenzeit. Und genau diese wird innerlich häufig als überraschend unruhig erlebt.



Der Jahreswechsel markiert einen äußeren Übergang. Innerlich braucht Veränderung oft mehr Zeit als ein einzelner Moment.


Wenn äußere Ruhe innere Bewegung sichtbar macht

In diesen Tagen berichten viele Menschen von einem diffusen Erleben. Sie grübeln mehr, schlafen unruhiger oder spüren eine innere Spannung, die sich nicht klar zuordnen lässt. Das wirkt zunächst widersprüchlich. Schließlich ist weniger zu tun, der Druck von außen nimmt ab, der Kalender ist leerer als sonst. Für unser Nervensystem bedeutet diese äußere Ruhe jedoch nicht automatisch Entlastung. Wenn Reize wegfallen, wird inneres Erleben deutlicher wahrnehmbar. Gedanken, die im Alltag kaum Raum finden, treten stärker in den Vordergrund. Emotionen, die lange im Hintergrund geblieben sind, melden sich. Das Nervensystem nutzt diese Phase, um nachzuarbeiten.


Warum diese Tage kein Stillstand sind

Die Zeit zwischen den Jahren ist weder Abschluss noch Neubeginn. Sie liegt dazwischen, ohne klare Richtung und ohne feste Struktur. Für viele Nervensysteme ist genau das ungewohnt. Struktur vermittelt Sicherheit. Fällt sie weg, kann sich innere Unruhe verstärken, selbst dann, wenn objektiv keine Belastung besteht. Das erklärt, warum sich manche Menschen in dieser Phase angespannter fühlen als in arbeitsreichen Wochen. Nicht, weil etwas nicht stimmt, sondern weil Verarbeitung möglich wird.


Wenn offene Themen spürbarer werden

Zum Jahresende tauchen häufig Fragen auf, die im Alltag wenig Platz hatten.


  • Was ist in diesem Jahr offen geblieben.
  • Was hätte anders laufen sollen.
  • Was wirkt noch nach, obwohl es äußerlich abgeschlossen scheint.


Sobald der äußere Druck nachlässt, werden solche offenen Themen leichter spürbar. Das zeigt sich oft als Grübeln, innere Unruhe oder eine Form von emotionaler Müdigkeit. Auch das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein natürlicher Regulationsprozess.


Warum diese Zeit selten für Vorsätze geeignet ist

Der Jahreswechsel ist häufig mit Erwartungen verbunden. Klarheit, Motivation und Veränderung sollen einsetzen. Innerlich sind viele Menschen dafür jedoch noch nicht bereit. Die Tage zwischen den Jahren dienen selten dem Neuanfang. Sie dienen dem Sortieren, Einordnen und Wahrnehmen dessen, was noch wirkt. Wer sich in dieser Phase zu schnellen Entscheidungen oder großen Vorsätzen drängt, übergeht oft das, was innerlich noch Aufmerksamkeit braucht.


Was unserem Nervensystem jetzt guttut

In dieser Zeit geht es weniger um Aktivität als um Orientierung. Weniger um Analyse als um Wahrnehmung. Hilfreich sind oft einfache, ruhige Strukturen. Regelmäßige Mahlzeiten. Kurze Wege ohne Ziel. Bewusste Übergänge zwischen Tag und Abend. Weniger Reize, nicht als Verzicht, sondern als Entlastung. Es geht nicht darum, sofort zur Ruhe zu kommen. Es geht darum, dem Nervensystem zu erlauben, seinen eigenen Rhythmus wiederzufinden.


Ein leiser Übergang

Der Jahreswechsel ist kein innerer Schalter, der plötzlich umgelegt wird. Für viele Menschen ist er ein langsamer Übergang. Wenn Sie sich in diesen Tagen unruhiger fühlen als erwartet, bedeutet das nicht, dass etwas nicht stimmt. Oft zeigt es, dass Ihr Nervensystem beginnt, nachzuarbeiten. Manchmal ist genau das der erste Schritt zu mehr innerer Klarheit. Ohne Vorsätze. Ohne Druck.



Über den Autor

Thomas Ammich ist Heilpraktiker für Psychotherapie in Kevelaer. In seiner Arbeit verbindet er Gesprächstherapie und Hypnose, um Menschen dabei zu begleiten, innere Ruhe, Klarheit und Selbstvertrauen zu finden. Seine Texte entstehen aus der Praxis heraus – ruhig, ehrlich und mit dem Blick dafür, was Menschen bewegt.


Über die Praxis

In meiner Praxis in Kevelaer begleite ich Menschen in einem geschützten Rahmen, in dem Gespräche und Hypnose sich ergänzen. So entsteht Raum für Ruhe, Klarheit und das Vertrauen, den eigenen Weg wieder zu spüren.



zurück zur Artikelübersicht